Israel is real

Mein erster Tag in Israel

Ein Land voller Legenden und Gerüchte. Ja, auch viele Ressentiments herrschen bei Israel vor. Während die einen eine Hagiografie über Israel schreiben, dämonisieren die anderen Israel wo es nur geht. Doch was hat das alles mit der Realität zu tun? Ein paar Eindrücke von mir von dem Land.

Damaskus-Tor: Eingang in das muslimische Viertel

Heute bin ich das erste Mal in Israel gelandet. Relativ spontan (wie es dazu kam vielleicht ein andermal) flog ich mit dem Direktflug von Basel nach Tel Aviv. Israel, ich wurde schon vorgewarnt, hätte strenge Sicherheitsvorkehrungen. Du solltest mindestens drei Stunden vorher am Flughafen sein. Sie werden dich löchern mit Fragen und wenn du nicht genug früh kommst verpasst du den Flug. Der eine oder andere hat dies tatsächlich so erlebt. Ich hingegen gar nicht. Zwei Stunden zu früh befand ich mich am Flughafen Basel-Mulhouse. Es gab keinen aussergewöhnlichen Sicherheitscheck. Kein Abfragen. Rein gar nichts. „Ok. Vielleicht kommt’s ja noch“, dachte ich mir.

Der Flug war unspektakulär. Etwas eng. easy jet halt. Mir ist aufgefallen, dass kein erkennbarer Moslem im Flugzeug war. Erkennbare Juden hingegen schon. Wobei 50 Prozent der Passagiere wohl keine Juden sind. „Wie das wohl wäre, wenn Palästinensische Terroristen den Flug kapern würden, wie damals in Entebbe?“, fragte ich mich. „Was, wenn sie die Juden und Nichtjuden trennen würden? Würde ich mich wehren? Würde ich mich solidarisieren?“ Das eine Flugzeugentführung heute noch so möglich ist, wie 1976 ist unwahrscheinlich. Mich verlassen diese Horrorszenarios wieder, ohne, dass ich die Fragen beantworten konnte.

Es kam zu keiner Flugzeugentführung. Stattdessen sind wir ohne Turbulenzen auf dem Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv gelandet. „Jetzt wird er denn kommen, der Sicherheitscheck“, schoss mir durch den Kopf. Ein bisschen nervös stellte ich mich an die Passkontrolle. Vor mir, mein Sitznachbar. Ein ca 19-jähriger, langhaariger Rocker aus Frankreich. „Wohin er wolle“, wird er gefragt. „It is written on that f*cking sheet.“ Von wegen er sei mit einer christlichen Gruppe unterwegs und wäre für einen humanitären Einsatz da. Aber gleich im zweiten Satz fluchen wie ein Rohrspatz. Ich zucke die Schultern, während die Grenzwächterin die Fassung verliert. Den jüngeren Kollegen schickt sie in ein Sonderinterview und den Täter behält sie bei sich. Während ich Minute für Minute am warten bin, wird Links und Rechts einer nach dem andren behandelt.

Ich dreh mich um und sag zu dem hinter mir: „Wrong queue, hm?“ Er smiled und wechselt später die Schlange. Nach einer Weile tue ich es ihm nach und stelle mich hinter ihm. Der fluchende Kollege wird immer noch befragt. Inzwischen darf ich rann. Sichtlich nervös inzwischen gehe ich zum Schalter. „Welcome to Israel. Israel is a home. That’s why: Be welcomed like at home.“ Huch der ist ja ganz nett. „Das erste Mal hier? Wohin gehts? Oh ah, Sprachschule. Kannst du schon was? Viel Spass. Geniess das Land. Viel Erfolg beim lernen.“ Ok, das habe ich mir irgendwie schlimmer vorstellt. Ungläubig passiere ich, mit dem Hintergedanken, dass jeder Moment von irgendwo der Mossad mir in Weg springt und mich verhört. Aber es passierte einfach nix. Ehrlich gesagt, in Kenia musste ich mehr Rechenschaft ablegen. War also alles halb so wild. Woran das wohl lag? Zufall? Kannten die mein Profil eh schon? Oder machte ich gar schlicht einen zu netten Eindruck? Wer weiss.

Für den Transport vom Flughafen zu meinem Domizil nehme ich das Sherut-Taxi. Ziemlich günstig. Ich fahre mit zwei Franzosen eine amerikanisch-israelischen Touristenführerin und einer jüdisch-Orthodoxen Kinder mit sechs Kindern. Der Fahrer und die Touristenführerin führen eine angeregte Diskussion. Ich verstehe nichts, nur: „Palästinenser, Palästinenser, Palästinenser, Israel, Israel, Israel, Achmadinedschad und Arafat.“ Sie reden über Politik, so quasi nach dem Motto: „Zwei Juden, drei Meinungen“.

Endlich angekommen, bei der Gemeinschaft der Versöhnung, werde ich herzlich von fremden Schweizer empfangen, als wären wir mindestens bekannte. Sie gaben mir ein Zimmer (ziemlich günstig), dass grösser ist als meine Wohnung. Ja, damit kann ich leben! Die letzte Zeit verbringe ich in Jerusalem. Eine gigantische Stadt. Auf den Dächern die Ruhe selbst. Einen Stock tiefer gleicht es einem riesigen Einkaufsmarkt, der je nach dem in welchem Viertel (jüdisch, christlich, islamisch oder armenisch) du dich gerade befindest entsprechend viel Lärm oder Sauberkeit vorhanden ist. Es scheint, dass in den arabischen Vierteln Jude anzutreffen sind. Im jüdischen Viertel aber kaum Moslems durchgehen. Interessant ist, wenn Muslime Kreuze und Kippas verkaufen. Fürs Geld tut man alles, hm? Eigentlich traurig.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.