Matthias Teh (EDU) und Sara Fritz (EVP) im Interview mit Idea Spektrum

Sara Fritz (Junge EVP) und Matthias Teh (EDU) über politische Profile und Träume

«Die Politik ist in vielen Freikirchen ein Tabu»

Matthias Teh (EDU) und Sara Fritz (EVP) im grossen Idea Spektrum Interview

Matthias Teh (EDU) und Sara Fritz (EVP) im grossen Idea Spektrum Interview

Wie sollen junge Christen politisch motiviert werden, wenn Politik für viele Gemeinden ein Tabu ist? Das fragen sich Sara Fritz und Matthias Teh. Die Co-Präsidentin der Jungen EVP und der Jungpolitiker der EDU trafen sich zur politischen Standortbestimmung. Beide möchten im Oktober (2011) in den Nationalrat gewählt werden.

«idea Spektrum»: Warum träumen Sie davon, selber im Nationalrat mitwirken zu können?
Matthias Teh: Mir liegt der politische und gesellschaftliche Wandel sehr am Herzen, vor allem auch in der Familienpolitik. Ich möchte etwas bewegen, christliche Werte einbringen und für das Evangelium von Jesus Christus einstehen. Es ist wichtig, dass mehr Christen im Parlament hocken. Für mich ist das auch Evangelisation.
Sara Fritz: Wie stellst du dir das konkret vor?
Matthias: Als gläubiger Christ kann man das Evangelium nie ausklammern. Man ist automatisch Licht und Salz. Es ist entscheidend, wie man christliche Werte einbringt und wie man mit dem politischen Gegner umspringt.
Sara:Das stimmt. Aber für mich heisst das nicht, dass ich das Rednerpult im Parlament mit der Kanzel in der Kirche verwechsle. Politische Erfolge setzen immer auch gute Kompromisse voraus. Man muss in der Politik Mehrheiten finden. Und die finde ich nicht, wenn ich stur an meiner Meinung festhalte. Ich sehe das ja im Kantonsparlament, dem ich seit 2009 angehöre. Ich finde die Parlamentsarbeit extrem spannend, merke aber auch, dass wir oft anstehen, weil die Zuständigkeit beim Bund liegt. Darum möchte ich unsere Zukunft auch im Nationalrat mitgestalten können.

Wie kamen Sie zur Politik?
Sara: Wir haben daheim als Familie sehr viel politisiert. Mein Grossvater war lange Gewerkschaftssekretär. Ich wollte zuerst meine berufliche Ausbildung abschliessen. Doch dann wurde ich mit 18 von der EVP angefragt, ob ich nicht für den Nationalrat kandidieren wolle. Ich sagte spontan zu. Dann ging der politische Weg gleich weiter: zuerst in der Kommunalpolitik, dann im Landrat. Doch für mich war auch die Bestätigung von Gott her sehr wichtig, dass ich meine Gaben in die Politik einbringen soll.
Matthias: Als ich mit 16 Christ wurde, begann ich mich automatisch für die Politik zu interessieren. Ich schaute mir die EVP, die EDU und die vier Bundesratsparteien genau an. Ich entschied mich für die EDU, weil sie meine Werte am besten vertritt. Mit 18 wurde ich Mitglied und bald auch aktiv.

Wer hat Sie speziell motiviert?
Matthias: In meiner Gemeinde, der FEG, gibt es Leute aus der EVP und der EDU. Engagierte EDU Mitglieder haben sich stark um mich bemüht.
Sara: Mein Vater. Er ist EVP-Mitglied. Früher war er bei der EDU. Er hat einen grossen Einfluss auf mich bis heute.
Welche Werte braucht es denn vermehrt in der Politik?
Sara: Ich möchte als Christin die Werte einbringen, die mir wichtig sind, besonders Nächstenliebe, Solidarität und Gerechtigkeit. Es ist mir klar, dass zum Beispiel alle Gerechtigkeit wollen. Darum ist es wichtig, was man selber unter Gerechtigkeit versteht. Ich will immer wieder versuchen, meine christlichen Werte und meine Anliegen so zu kommunizieren, dass mich auch Nichtchristen verstehen.
Matthias: Der wichtigste Wert ist für mich das menschliche Leben. Darum muss es in allen Phasen geschützt werden. Auch Gerechtigkeit
und Solidarität sind mir ein grosses Anliegen, daneben auch die Selbstverantwortung, zum Beispiel in der Kinderbetreuung.

Wäre für Sie auch eine andere Partei in Frage gekommen?
Sara: Nein. Ich schätze an der EVP die Vielfalt an Meinungen, die hohe Gesprächskultur und der Glaube als gemeinsame Basis.
Matthias: Am Anfang wäre für mich auch die EVP als christliche Partei in Frage gekommen. Nun
bin ich froh, dass ich mich für die EDU entschieden habe. Ihre konservativen, schweizerischen Werte passen besser zu mir. Und der Glaube ist dieser Partei sehr wichtig. Es wird an jeder Sitzung gebetet.
Was ist unverwechselbar an Ihrer Partei?
Matthias:Ich habe den Eindruck, dass sich die EDU am konsequentesten von der Bibel leiten lässt und für christliche Werte einsteht, auch wenn sie angefeindet und verspottet wird.
Sara: In der EVP setzen sich sehr viele Menschen aus ihrem Glauben heraus selbstlos für das Gemeinwohl ein. Sie sind wie kaum in einer anderen Partei bereit, Brücken zu bauen und Lösungen zu finden.
Matthias: Bei der EDU beeindruckt mich auch, dass man sich zu Jesus Christus als Erlöser bekennen muss, wenn man die Mitgliedschaft beantragt.
Sara: Laut einer Umfrage des «Beobachters» vertritt die EVP die Volksmeinung am besten. Das Wohl der Menschen steht für sie wirklich im Zentrum. Mensch kommt vor Macht. Mich nimmt eines wunder: Warum bezeugt denn die EDU nicht mit ihrem Namen, dass sie eine christliche Partei ist?
Matthias: Ich finde es auch schade, dass man bei der EDU nicht vom Namen her ableiten kann, dass sie christlich ist. Anderseits hat die CVP das «C» im Namen, ohne dass sie sehr christlich ist. Die EDU wird meiner Meinung nach öffentlich viel stärker als christliche Partei wahrgenommen als die EVP oder die CVP.
Sara: Den Vergleich mit der CVP möchte ich mir verbeten haben! Uns ist das «E» sehr wichtig. Doch was nützt es, wenn man «christlich» politisiert und nichts erreicht?

Die EDU gilt als klar rechts, die EVP als links von der Mitte stehend. Auch für Sie?
Sara: Die EVP ist eine Mittepartei. Bei ethischen Themen steht sie eher rechts, bei ökologischen Themen befindet sie sich auf der linken Seite.
Matthias: Ich stufe die EDU als Partei der konservativen Mitte ein. Wir haben auch in der EDU einen rechten und einen linken Flügel, was man bei Online-Wahlhilfen wie smartvote.ch deutlich sieht.
Sara: Bei den Parolen liegt ihr doch fast immer bei der SVP.
Matthias: Und die EVP fast immer bei der SP. Es kommt auch nicht nur auf die Parolen an, sondern auf die ganze politische Arbeit.

Warum braucht es zwei kleine evangelische Parteien?
Sara: Wir sind viel zu weit auseinander! Eine gemeinsame Partei wäre gar nicht möglich. Doch wir sollten uns nicht noch zusätzlich bekriegen. Wo es Berührungspunkte gibt, ist eine Zusammenarbeit sinnvoll und schön. Da sollte sie verstärkt werden.
Matthias: Zwei Parteien können ganz unterschiedliche Christen mobilisieren. Es braucht beide Parteien, doch sie sollten vermehrt zusammenarbeiten, zum Beispiel in gemeinsamen Fraktionen in den Parlamenten. Christen müssen nicht immer gleicher Meinung sein, doch sie können trotzdem eine Einheit sein.

Wie könnten vermehrt junge Christen an die P olitik herangeführt werden?
Sara: Meine FEG-Gemeinde hat mich bewusst freigesetzt. Die ganze Gemeindeleitung hat mich im Gottesdienst als Kantonsrätin gesegnet. Wir haben eine Gebetsgruppe «Politik», die alle zwei Wochen zusammenkommt und auch für mich betet. Doch ich wünschte mir, dass die Politik in unsern Freikirchen noch viel weniger ein Tabu-Thema wäre. Ein politisches Engagement ist doch nichts Schlechtes! Der Jungen EVP wird es leider auch nicht ermöglicht, an Jugendanlässen wie dem «Crea» einen Stand aufzustellen, im Gegensatz zu den Missionswerken. Wir werden auch kaum in Jugendgruppen eingeladen, obwohl wir uns schon zusammen mit der EDU darum bemüht haben. Wie sollen junge Christen motiviert werden, wenn die Politik für die Gemeinden ein Tabu ist?
Matthias: Ich mache die gleiche Erfahrung: Die Politik ist in vielen Freikirchen ein Tabu-Thema. Dabei fordert uns die Bibel doch dazu auf: «Suchet der Stadt Bestes!» Christen haben nicht nur das Wort Gottes zu predigen, sondern ihren Auftrag auch in der Politik wahrzunehmen.
Sara: Die Gemeinden sollten auch das Gebet für die Politik, für das Wohl der Stadt und für Abstimmungen ernster nehmen. Das ist ein biblischer Auftrag.
Matthias: Die Gemeinden sollten sensibilisiert werden, vermehrt Politiker einzuladen, auch junge. Und sie sollten Gebetsabende für die Obrigkeit durchführen.

Welche Chancen rechnen Sie sich selber bei den Nationalratswahlen aus?
Sara: Die EVP geht im Kanton Baselland eine Listenverbindung mit CVP, GLP und BDP ein. Diese Gruppe hat die Chance auf zwei Sitze. Der erste Sitz geht an die CVP, und der zweite Sitz könnte gemäss den Ergebnissen der Landratswahlen an die EVP fallen. Ich kandidiere nun zum dritten Mal. Ob es reicht…?
Matthias: Die EDU ist im Aargau ziemlich klein und wird es schwer haben, einen Sitz zu holen. Persönlich hoffe ich auf ein gutes Resultat, so dass meine Chancen in zwei Jahren bei den Kantonsratswahlen steigen.

Was gewinnen Sie durch die Politik?
Sara: Im Kantonsparlament treffe ich Leute, die ich sonst nie treffen würde. Es entsteht manche Freundschaft. Ich bekomme Zugang zu Experten und erhalte Einladungen zu diversen Anlässen. Die Politik bringt mir eine extreme Horizonterweiterung. Durch die Politik stosse ich auch auf viele Nöte, die ich dann in meiner eigenen Kirchgemeinde einbringen kann.
Matthias: Ich merke, dass ich auf der politischen Ebene etwas bewegen kann – auch als Christ. Ich kann meinen Glauben bezeugen allein durch die Mitgliedschaft beinder EDU. Zudem finde ich viele gute Kontakte in der EDU. Da finde ich Freunde, denen ich auch persönliche Sachen sagen kann
und die für mich beten.

Wofür beten Sie als christliche Jungpolitiker?
Matthias: Gott möge mich auch in der Politik führen und leiten. Er möge wachen über der Politik, über aktuellen Abstimmungen und über einzelnen Politikern, besonders in den Exekutiven.
Sara: Gott möge mir Weisheit und Demut schenken in meinen Ämtern, Liebe für meine Kolleginnen und Kollegen im Parlament und auch gute Ideen für das politische Engagement, damit ich spüre, was dran ist.

Was möchten Sie von Jesuslernen für die Politik?
Sara: Ich wünschte mir manchmal, ich könnte wie Jesus direkt ins Herz der Menschen reden und ihnen mit Liebe begegnen, auch wenn wir nicht gleicher Ansicht sind. Und ich möchte wie er, die Wahrheit sagen können, auch wenn sie nicht immer bequem ist.
Matthias: Von Jesus möchte ich lernen, Missstände anzusprechen und die Menschen trotzdem anzunehmen und zu lieben. Aber auch die Botschaft des Evangeliums konsequent zu verkündigen, auch wenn man verspottet wird.

Interview: ANDREA VONLANTHEN

Das grosse Interview mit Matthias Teh und Sara Fritz

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