ECPYouth Summer School 2016: Flüchtlings- und Migrationskrise

ECPYouth Summer School 2016:

Flüchtlings- und Migrationskrise

Jungpolitiker Matthias Teh und Silvio Foiera von der EDU an der ECPYouth Summer School im Bundeshaus

Matthias Teh und Silvio Foiera an der ECPYouth Summer School

Zum brandaktuellen Heissen Eisen, der weltweiten Flüchtlingskrise, fand die diesjährige ECPYouth Summer School statt. Dabei sollten durch fachkundigen Vorträge und eigenes Erleben ein differenziertes Bild über die aktuelle Flüchtlingslage, den geopolitischen Hintergrund sowie die praktische Hilfe in der Schweiz gegeben werden.

Von Matthias Teh, Silvio Foiera und Samuel Kullmann

Zur diesjährigen Summer School der European Christian Political Youth (ECPYouth) lud die junge EVP (*jevp) als Gastgeber vom 7.-12. Juli nach Bern ein. Rund 50 interessierte und engagierte Jungpolitiker aus ganz Europa pilgerten dafür in die Bundeshauptstadt um wichtige Hintergrundinformationen über die aktuelle Flüchtlingssituation von Experten aus verschiedenen Bereichen zu hören. Mit Silvio Foiera und Matthias Teh als Teilnehmer am Freitag und Samuel Kullmann als Gastredner am Samstag waren auch junge Gesichter der EDU an der sowohl informativen, wie auch geselligen Summer School vor Ort.

Am ersten richtigen Schulungstag war dann sogleich das Bundeshaus Veranstaltungsort. Dresscode smart casual / formal versteht sich. Versorgt mit Kaffee und Gipfeli durften die gutgekleideten jungen Nachwuchspolitiker in einem Bundeshaus Kommissions-Sitzungszimmer die Vorträge von Dr. John Eigner, CEO der Christian Solidarity International USA und Marc Jost, Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) und EVP Grossrat Kt.BE, zuhören. Diese waren selbstverständlich auf Englisch, genauso jedes Gespräch (wenn nicht gerade Landsleute sich in ihrer Muttersprache Smalltalk führten).

Die Quelle und Lösung der Flüchtlingskrise liegt im Herkunftsland

Dr. John Eibner fokussierte in seinem Referat die Quelle der ganzen Flüchtlingsdramatik: das Pulverfass «Naher Osten«. Dabei fokussierte er sich auf Syrien, von dem ein wichtiger Teil der aktuell 65 Millionen vertrieben Menschen Weltweit stammt. Hierbei zeigte er uns ein anderes Bild von Syrien als das, was uns in den gängigen Medien uns präsentiert wird. Zwar stimmen die Bilder von zertrümmerten Städten und vertriebenen Menschen, doch zeigen die nur eine Seite der Wahrheit. Während in europäischen Medien die syrische Stadt Homs nur als zertrümmerte Ruine bekannt ist, gibt es in Wahrheit noch heute intakte Stadtteile in Homs in denen das Leben noch immer floriert.

Obwohl 50 Prozent der syrischen Bevölkerung heimatlos sind, ist Europa für die Flüchtlinge nicht die einzige Option. Weite Teile von Syrien, welche noch immer von Assad kontrolliert werden, bieten Flüchtlinge insbesondere den Minderheiten Schutz, Arbeit und ein einigermassen normales Leben. Erst vor kurzem gab es auch in dieser Region im Westen Syriens islamistische Terroranschläge. Doch damit wurde diese Region nur etwa gleich unsicher wie Paris, Brüssel oder London.

Bei der Darstellung der Kriegsparteien in Syrien durch Dr. Eibner kamen die von den Medien als Freiheitskämpfer bezeichneten Rebellen und die USA nicht ganz so gut weg. Er zeigte auf eindrückliche Weise auf, dass selbst die sogenannt „moderat“ geltenden Rebellen-Gruppierungen, nur als solche gelten, da sie mit den USA zusammenarbeiten. In Wahrheit jedoch genauso so radikale Islamisten und Jihadisten sind wie Al-Kaida oder der Islamische Staat. Obwohl Obama anders als Bush keine Truppen direkt in den Konfliktherd schickte, unterstützt er – durch Rückkehr zur Reagan-Doktrin (Bewaffnung des Feindes meines Feindes) – die Jihadisten mit dem Ziel, einen Sturz der Regierung Assad herbeizuführen.

Doch genau dieser Assad, obwohl selbst ein tyrannischer Diktator und Judenhasser, war bislang Garant für Religionsfreiheit und soziale Vielfalt in Syrien. Zwar gab es keine politische Vielfalt und keine Partizipationsmöglichkeiten für Minderheiten, doch gewährte Assad allen Minderheiten, auch den moderaten Sunniten, die nicht unter der Scharia leben wollten, einen gewissen Schutz. Dies auch der Grund, wieso viele syrisch-orthodoxe Christen zu Assad halten und selbst der Libanon lieber den verhasste Assad als die Rebellen an der Macht sieht, da dies ansonsten wohl auch das Ende des Libanons in jetziger Form bedeuten würde.

Als Lösungsansätze für die Politiker fordert Eibner eine gesunde Skepsis gegenüber den Medien. Statt blindlings jihadistische Rebellen zu unterstützen und Wirtschaftssanktionen zu fordern (viele Flüchtlinge fliehen nicht wegen dem Terror, sondern weil sie wirtschaftlich bankrott sanktioniert wurden), sollte man durch gezielte Hilfe vor Ort die Region wieder stabilisieren. Nur so kann man die Quelle der Flüchtlingsströme zum versiegen bringen.

Der Herausforderung Flüchtlinge mit evangelischer Liebe begegnen

Ganz praktisch wurde es dann im nachfolgenden Referat von Marc Jost (EVP Grossrat BE). Nachdem er einen Überblick über die verschiedenen Flüchtlingsstatus (Flüchtling, Asylsuchender, temporär Aufgenommener) gegeben hat und zeigte, dass ca. 30% der temporär Aufgenommenen trotzdem 7+ Jahre in der Schweiz bleiben, stellte er die Task Force Flüchtlingshilfe der Schweizerischen Evangelischen Allianz vor.

Von den total 40’000 Flüchtlingen und 66’000 Asylsuchenden (2015) stammen die meisten aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und Somalia. Diesen Menschen will die SEA in Zusammenarbeit mit freiwilligem sozialen Engagement von Christen aus allen Denominationen mit Wohnraum, in der Sprache, durch Gemeinschaft, durch Teilen von Gütern und durch Begleitung in evangelischer Liebe dienen.

Dabei nehmen die Kirche eine andere Rolle als der Staat ein. Während letzterer die Anwendung der Gesetze konsequent umzusetzen hat, sollen die christlichen Gemeinden ihr soziales Engagement auch auf den Bereich der Flüchtlinge ausweiten.

Besuch von Flüchtlingsheimen

Anschliessend an die beiden Referate und dem Mittagessen teilten sich die Jungpolitiker auf und besuchten in drei, kleineren Gruppen verschiedene Flüchtlingsheime, darunter ein Heim für «jugendliche, unbegleitete Flüchtlinge». Wir erfuhren von den Lebens-, Koch- und Freizeitmöglichkeiten, dem Taschengeld von 64 Franken die Woche (das durch Arbeit etwas erweitert werden konnte) und der Reaktion der lokalen Bevölkerung auf die Flüchtlinge. Ebenso wurde Fragen zum Umgang mit Kinderehen sowie Polygamismus thematisiert.

In Gesprächen mit Flüchtlingen, dem gemeinsamen Spielen und Singen soll Kontakt zu den Menschen hergestellt werden. So erhielten die Zahlen in Statistiken auf einmal auch Gesichter mit Lebensgeschichten. Die Gespräche zeigten, dass alle Flüchtlinge trotz Ähnlichkeiten ihre eigene Erfahrung und Geschichte haben. Trotz allem bleibt es schwierig zu entscheiden welcher von diesen Flüchtlingen wirklich ein Asylrecht hat, weil er an Leib und Leben bedroht ist und wer, so sympathisch er auch ist, schlicht nicht in Rahmen des Asylgesetzes gehört.

Positiv zu vermelden ist, dass es in den Flüchtlingsheimen, trotz kultureller und religiöser Vielfalt es kaum zu Spannungen zwischen den einzelnen Gruppen und Geschlechtern kommt. Offen bleibt auch die Frage, wieso gewisse Flüchtlinge nicht einfach innerhalb ihrem Land fliehen (z.B. aus den Taliban dominierten Regionen in Afghanistan in die „sicheren Häfen“)? Festhalten müssen wir, dass jeder ungerechtfertigte Flüchtling einem an Leib&Leben bedrohten Flüchtling den Platz weg nimmt.

Am Samstag hielt Samuel Kullmann ein Referat über die Rolle der Politik in der Flüchtlingskrise. Um seine Hauptaussage zu untermauern verglich er die Migrationsdebatte mit einem Fussballmatch. “Viele westliche Staaten sind wie Schiedsrichter, die keine rote Karte auf sich tragen. Doch die Spieler müssen wissen, dass der Schiedsrichter die rote Karte zücken kann, sonst kann ein Spiel sehr schnell ausarten.” Kullmann betonte, dass bei zunehmenden Flüchtlingszahlen Toleranz gegenüber unkooperativen oder sogar kriminelle Asylsuchenden absolut fehl am Platz ist und der Staat als Trägerin der richterlichen Gewalt (vgl. Römer 13) hart durchgreifen müsse. Am meisten beschäftige ihn jedoch die Vertuschungsmanöver der deutschen Behörden nach der Köllner Silversternacht die Ausdruck einer äussert gefährlichen politischen Korrektheit sind.

Bilder zu der ECPYouth Summer School 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.